Willkommen!

Willkommen!
Dies ist mein Blog auf dem ich von nun an von meinen Erfahrungen aus Vietnam berichte. Enjoy!

Dienstag, 18. Oktober 2011

   Die Sonne lacht
das Wetter freut sich
   und mitten drin
    ist der Robin
        happy.


Introductions
In den letzten beiden Wochen habe ich mich gemeinsam mit Marco an zwei Schulen in umliegenden Kommunen vorgestellt. 
Als erstes (letzte Woche Sonntag) waren wir in einer kleinen Schulklasse, in Ngo Dong, circa 30 Minuten vom Nationalpark entfernt. Der Klassenraum erinnert stark an einen Bunker, ist hinter einer großen Stahltür, ohne Fenster, und so klein dass nicht mehr als zwei Schulbänke plus Tafel in den Raum passen. Die Schüler nehmen freiwillig an dem Unterricht teil um ihre Englischkenntnisse abseits vom Schulunterricht zu verbessern. Wir unterrichten dort von nun an jeden Sonntag, da an allen anderen Tagen die Schule wohl bereits sehr zeiteinnehmend ist. Die circa zehn Schüler sind im Alter von 16-17 Jahren, und in der 12. Klasse. Bei unserem ersten Besuch waren wir leicht überrascht, wie hoch das Englischniveau bereits ist, soadass wir unsere Vorbereitungen mehr oder weniger vergessen konnten. Der improvisierte Unterricht verlief dennoch sehr gut, die Schüler sind allesamt lustig und nett; die meisten stammen eher aus der "Bildungsschicht", weshalb dort das Niveau höher ist als in unseren anderen Unterrichtsklassen (die Parkarbeiter mit eingeschlossen). Insofern glauben wir einen ziemlich lockeren und interessanten Unterricht gestalten zu können, mit verschiedenen Themen und Methoden, ohne wirklich auf  Grammatik oder Betonung eingehen zu müssen. Nach dem Unterricht haben wir bei einem Parkarbeiter (Dat) übernachtet, der in derselben Kommune wohnt, und sehr gut gegessen und getrunken. Der "wine" (inzwischen weiß ich dass hier jede Form von Alkohol, abgesehen von Bier, wine genannt wird) roch stark nach dem Alkohol im Chemielabor, und entsprechend schmeckte er auch, wurde aber Wegbereiter für einen entspannten Abend, auch mal ohne Karaoke. An dem selben Abend habe ich außerdem das letzte Mal meine neu erworbene Digi-Cam gesehen (ja, ich hab mal wieder was verloren!) weswegen ich in diesem Blog-Eintrag keine Schnappschüsse einbauen kann (nur von meiner Spiegelreflex), aber dazu später mehr.

Die andere Schulklasse ist in der angrenzenden Kommune Giao Thien. Dort waren wir inzwischen zwei Mal, und sie stellt einen klaren Kontrast zur ersten dar. Bei unserer Ankunft wurden wir absolut ins kalte Wasser geworfen. Das stellte aber in dem Moment kein Problem für uns dar, da wir circa eine Stunde vorher wine trinken mussten (wir wurden sehr spontan zum Mittagessen eingeladen, von einem Typen der regelmäßig mit uns Fußball spielt und direkt bei der Schule wohnt) und dementsprechend in einem angenehmen Zustand der belustigten Gleichgültigkeit waren. Angekommen in unserem zukünftigen Klassenraum, leicht benebelt aber auf jeden Fall euphorisch, wurden uns zwei Plastikstühle in den sehr offenen Raum (zugehörig zu einer christlichen Kirche) hingestellt; mehr Anweisungen gabs dann aber nicht. Von einem Lehrer oder Betreuer keine Sicht. Dafür turnten auf den Stühlen reichlich Kinder herum, vielleicht im Alter von 8 bis 12 Jahren, alle sichtlich interessiert an uns. Natürlich sprach keines ein Wort Englisch, und sobald wir uns ihnen annähern wollten, sind die meisten lachend rausgerannt. Die klassische Angst vor dem Fremden. Wir hocken also erstmal auf unseren winzigen Stühlchen, nicht minder amüsiert von den Schülern (und vom wine), und erschrecken dann und wann die Kinder mit schnellen Bewegungen in deren Richtung. Ein Junge, mit einem extrem fesselnden, beinahe psychopatischen Blick, hat uns immer wieder zum Lachen gebracht, aufgrund der Art und Weise wie er uns konstant anstarrte. Er ist so ziemlich als einziges Kind nicht rausgerannt wenn wir "Buh!" gemacht haben. Und der Blick war wirklich unnormal!
Jedenfalls ist nach einer Weile eine Schülerin auf uns zugekommen, 17 Jahre alt, mit gebrochenem Englisch. Sie konnte uns dann erklären, das wir nicht die Kinder unterrichten würden, sondern eine kleine Klasse von circa acht Mädels, zu der sie selbst gehörte. Wir haben uns dann ausgetauscht, und mit der Zeit sind noch zwei weitere Mädels dazugekommen. Gemeinsam haben wir dann die Kirche angeschaut, und unseren ersten Termin für richtigen Unterricht vereinbart, den wir dann gestern absolviert haben. Obwohl die Schülerinnen in etwa so alt sind wie diejenigen in Ngo Dong, müssen wir bei dieser Schulklasse bei den absoluten Grundlagen anfangen, was aber auch nicht unbedingt schlecht ist.

Willkommen
Vor gut einer Woche ist Camille in unserem Projekt angekommen, eine weitere Freiwillige aus Frankreich. Sie ist 22 Jahre alt und studiert momentan Business und Management in Paris und wird für zwei Monate hier dieselben Tätigkeiten machen wie Marco und ich. Sie hat uns letzte Woche Montag, sozusagen als Willkommensgruß, begleitet, als wir mit den ganzen Leuten vom Fußball raus waren zum Essen und Trinken. Es gab für uns nämlich einen Grund zum feiern! Wir haben eine Art self-made Flutlichtanlage im Park installiert, sodass wir von nun an auch nach Einbruch der Dunkelheit (~18:00 Uhr) kicken können. Der Abend wurde ziemlich verrückt, es gab nämlich selbst Eingelegten, aus einer Flasche circa 5l groß die natürlich leer gemacht werden musste.
Dieses Bild ist zwar von einem anderen Abend,
passt aber thematisch gut.
 Auch hier sind wir mit Leuten vom Fußball unterwegs.
Was genau eingelegt war, konnte man nicht mehr klar erkennen, aber anscheinend kein Tier (in dem Haus habe ich riesige Flaschen mit eingelegten Schlangen, Skorpionen, Vögeln, und sogar ein eingelegtes Lamm gesehen). Nach einem wahren Festmahl gings dann zur Karaoke, dem typischen vietnamesischen Ort zum feiern. Am anschließenden Morgen mussten Marco und ich den Unterricht um 8:30 Uhr ohne Camille durchführen, da der wine dann doch nicht französischen Verhältnissen entsprochen hatte. An dieser Stelle spreche ich meinen Respekt dem vietnamesischen Trinker aus, da ich bisher noch niemanden verkatert gesehen habe, egal wie kurz die Nacht war.



Rückerstattung
An dem selben Tag des Unterrichts reifte langsam die Erkenntnis, dass meine Kamera irgendwie weg ist. Ich dachte mir zunächst nicht viel dabei, sie würde in den nächsten Tagen schon auftauchen. Doch sie tauchte in den nächsten Tagen nicht auf. Ich drehte alle meine Sachen auf den Kopf aber die Kamera blieb verschollen. Ich überlegte mir welche Möglichkeiten bestünden. Das letzte mal, dass ich sie definitiv gesehen hatte war in Dat´s Haus. Da sie dort nicht war, musste sie entweder auf der Rückfahrt im Auto aus der Hosentasche gefallen sein, oder jemand war bei uns ins Zimmer eingebrochen, da wir es an dem Montag Abend unverschlossen gelassen hatten; für die zweite Möglichkeit sprach die Tatsache, dass Camille, dessen Zimmer neben uns ist, zwei Teile Unterwäsche vermisste. Ich sagte also Chu Bescheid, der in Kontakt mit dem Fahrer stand, und nur "The Boss" genannt wird. Ein wirklich lustiger Typ, mit einer ziemlich schrillen, ansteckenden Lache, der es trotz geringerer Körpergröße meist schafft auf einen hinab zu schauen. Er spricht das beste Englisch im Park und hat eine angenehme Art Leute zu verspotten (was ja wirklich eine seltene Kombination ist). Er meinte er kümmtert sich darum; vor zwei Tagen bekam ich dann einen Anruf, dass der Fahrer keine Kamera gefunden hat, da er das Auto direkt zur Reinigung gegeben hatte. Mr Chu meinte also er würde der Autoreinigung einen Besuch abstatten, da er sowieso nach Hanoi musste, wovon ich ihn trotz der geringen Wahrscheinlichkeit dass dort die Kamera sei, auch nicht abhalten konnte. Mit der Kamera hatte ich quasi abgeschlossen. Gestern bekomme ich dann die sms von Chu "Saw ur CAMERA here, they tell me to pay more but i said only 20 dollar. If not i will call police. Hope it ok." Meine Kamera habe ich also heute für 20 Dollar (500 000VD) wieder erhalten. So regelt man die Dinge in Vietnam.

Freizeitaktivitäten
 Gestern konnte ich einer weiteren Vogelexkursion beiwohnen, zusammen mit einem ausgewanderten Briten und seinem Kollegen, die derzeit alle Nationalparks Vietnams abklappern.Außerdem hat uns Truong begleitet, mit dem ich bereits beim ersten Mal unterwegs war. Und wieder einmal fand ichs sehr interessant und habe ne Menge gesehen und gelernt. Anbei ein paar Bilder.

Panorama von Muschelfarm bei Sonnenaufgang
Eule gesichtet!

Was man am Strand nicht so alles findet: Volle Packung Double Happiness Zigaretten aus China und vrmtl. Ecstasy-Pillen.
Außerdem waren wir (Camille, Marco, und ich) vor wenigen Tagen auf einer Bootstour mit einer relativ großen vietnamesischen Touristengruppe, sodass wir den Mangrovenwald erstmals vom Wasser aus besichtigen konnten, und den Roten Fluss in seinen Ausmaßen bestaunen konnten. War aber nicht sonderlich spektakulär.



Neben dem täglichen Fußballspielen, nutzen wir jetzt hin und wieder die Zeit zum Laufen, zumindest wenn die Temperaturen einigermaßen human sind. Des weiteren helfen wir Chu einen Antrag für Patenschaften auf Deutsch und Englisch zu verfassen, um diese dann ab nächster Woche u.a. an deutsche Firmen zu verschicken. Falls DU Interesse an einer Patenschaft an einem süßen, ehrgeizigen Vietnamesen hast, bitte melden.
Am Freitag gehts nach Hanoi, wo wir ein Treffen mit anderen Freiwilligen haben und jeder landestypisch kochen wird. Ich freu mich schon auf Schnitzel und Crépe.

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