Happy New Year!
Die beiden wichtigsten Festtage, Weihnachten und Sylvester, sind nun vorüber, das neue Jahr kann beginnen, zumindest in Deutschland. In Vietnam hingegen steht das wichtigste Fest noch bevor, hier wird der Jahreswechsel traditionell nach dem Mondkalender gefeiert, dieses Jahr fällt es auf den 23. Januar. Dem nach westlicher Zeitrechnung gefeierten Neujahrsbeginn wurde eher wenig Beachtung geschenkt. Sporadisch hat man sich heute zwar ein "Happy New Year!" gewünscht, gefeiert wurde dieser Übergang, zumindest hier auf dem Lande, jedoch nicht. Mit Weihnachten sah es ein wenig anders aus.
Merry Christmas!
Das Wochenende um den 24.12. habe ich in Hanoi verbracht, mal ohne Marco, und ohne Kamera, um dort mit anderen Freiwilligen und einigen Vietnamesen den "Heiligen Abend" zu feiern. In Weihnachtsstimmung war ich zum Zeitpunkt meiner Abfahrt nicht, und das sollte sich auch bis Heiligabend nicht groß ändern. Trotzdem war das Wochenende dem westlichen Lifestyle gewidmet, gar gehuldigt. Als Stadt mit mehr als 6 Millionen Einwohnern ist Hanoi ein Magnet für westliche Lebensweisen; hier merkt man die Globalisierung und das enorme Wirtschaftswachstum Vietnams´ am stärksten. In den richtigen Ecken und gegen richtig viel Geld kann man fast jegliche Europäische Kost ergattern. Auch die Vorboten von Weihnachten musste ich nicht lange suchen: Weihnachtsmänner, Lichterketten, Kunstschnee. Man konnte Konsum förmlich riechen. Nicht ganz abgeneigt und ein wenig betört habe ich mir also zum Einstieg eine fette Quattro Formaggi gegönnt, die erste Pizza seit meiner Ankunft in Vietnam. Und die war teuer und schmeckte gut. Dass ich mich anschließend eigentlich scheiße fühlte habe ich verdrängt, und mich darauf konzentriert die Zutaten für das an Heiligabend angesetzte Festfressen einzukaufen. Jeder der knapp 20 Gäste sollte nämlich etwas zubereiten. Inspieriert von Nutella, habe ich mich für ein Potpourri aus Pfannkuchen entschieden. Des weiteren gab es dann unter anderem: Nudeln mit Tomatensoße, Japanisches Curry, französischen Jogurtkuchen, Tzatziki mit Baguette, Lebkuchen, Schokofondue. Ein Gelage also. Anschließend gings in eine Bar (weniger gehen denn rollen), und gegen Mitternacht bin ich mit einem französischen Freiwilligen und zwei weiteren Leuten zur Kathedrale von Hanoi gegangen, um der Christmette beizuwohnen. Ärgerlicherweise waren bereits derart viele Leute vor und auf dieselbe Idee gekommen, dass nicht nur die Kathedrale schon voll, sondern der gesamte Vorplatz mit Menschen überzogen war. Aber immerhin wurde der Gottesdienst per Videoleinwand mit uns geteilt. Wir haben die Weihnachtsgeschichte also dicht an dicht gedrängt über diese Videoleinwand verfolgt, und dem Orgelspiel aus dröhnenden Lautsprechen gelauscht. Zur Stimmung trug bei, dass an der Kathedrale nicht nur wie wild Kreuze aus Glühbirnen befestigt waren, sondern auch eine gigantische Krippe daran konstruiert worden war, inklusive Wasserfall. Äußerst Plastik- und Kitschlastig das ganze. Und bizarr. Belustigend fand ich außerdem die Tatsache, dass trotz des ganzen Gedränges, permanent eine riesige Lücke hinter mir und dem Franzosen war, da die kleinen Vietnamesen hinter uns nichts sehen konnten.
Nach dem Wochenende habe ich mir überlegt ob es nicht authentischer gewesen wäre Weihnachten im Nationalpark zu feiern. Der Anteil von Christen ist gerade in unserer Kommune überdurchschnittlich hoch.
Ich wäre dann mit den Parkarbeitern in die Kirche gegangen und wir hätten auch gut gegessen. Nichtsdestotrotz, ich hatte ganz nette Weihnachten, und der positive Nebeneffekt bleibt: die nächsten Monate werde ich garantiert ohne Pizza und Pfannkuchen auskommen.
Fußball
Dass Sylvester als solches hier nicht gefeiert wird, heißt nicht, dass ich am 31.12. nicht trotzdem stark alkoholisiert war. Grund war jedoch, dass wir ein Fußballmatch hatten. Unser Fußballteam, FC Co Thia (FC Schwarzgesichtslöffler; wir haben sogar Trikots!), bestehend teils aus Parkarbeitern, teils aus Leuten aus der angrenzenden Kommune, die regelmäßig hierher zum Fußballspielen kommen, hatte ein Spiel gegen ein anderes Hobbyteam aus der Umgebung. Das sah dann so aus, dass wir uns an einer Schule getroffen haben, und auf dem dortigen Fußballfeld zwei mal 30 Minuten gekickt haben, unterstützt von ungelogen über 100 Schülern, die zu dem Zeitpunkt aus der Schule kamen. Das Feld war am ehesten mit einem festgetrampelten Acker zu vergleichen. Die Tore hatten Handballgröße, und keine Netze. Und das letzliche Fußballspiel, 7 gegen 7, war eher kämpferisch, denn technisch geprägt, da das Feld zu klein und der Platz zu schlecht war. In der Regel wurde der Ball also nach vorne gebolzt, in der Hoffnung, dass ein Stürmer ihn irgendwie aufs Tor bringen konnte. Den Spielverlauf fand ich folglich ziemlich enttäuschend, vor allem da die Leute von FC Co Thia eigentlich technisch durchaus versiert sind (einige können wesentlich besser mit dem Ball umgehen als ich, vermutlich aufgrund des täglich praktizierten Straßenfußballs). Das Resultat, 2:2, schien aber eher trivial zu sein. Hauptsache war, man hatte einen guten Grund zum Trinken. Gemeinsam mit den Gegnern haben wir dann also einen Reiswein nach dem anderen gekippt, und dabei richtig gut gegessen.
Fieldtrip
| In diesem Bild hebe ich mich besonders hervor. |
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