Hochzeitsfeierei
Nach einer weiteren Woche in Bach Long war ich die letzten beiden Tage erstmals auf einer vietnamesischen Hochzeit. Geheiratet haben zwei Arbeiter des Parks, und zwar Hien, unsere Ansprechpartnerin für jegliche Dinge, und Chieu, ein sehr lustiger Charakter, der regelmäßig mit uns Fußball spielt. Der Sonntag war eine einzige, große Party, verteilt mal in dem einen Elternhaus mal in dem anderen. Marco und ich sind zunächst in dem Haus von Hien angekommen, um dort ausgiebig zu essen und zu trinken. Außerdem wurden dort die Geschenke für die Braut abgegeben, in der Regel Geld. Nach einer Rede des Vater und des Parkdirektors, haben auch wir unseren Umschlag mit einem Brief und Geld für Hien überreicht, feierlich unter Applaus und Blitzlichtgewitter.| Hien und ich |
Ein Typ kommt ins Zimmer gestürmt, ich wach auf.
Blick aufs Handy: 6:15 Uhr.
Spinnt der?
Der Typ versucht mir klarzumachen dass ich jetzt essen kommen könne.
Mache ihm klar dass ich mein Bett bevorzuge.
Verlässt das Zimmer wieder.
Erster klarer Gedanke: Wo bin ich hier? Wo sind alle anderen?
Erstmal Marco ´ne Sms schicken: Wo bin ich hier? Wo sind alle anderen?
Keine Antwort.
Der Magen fühlt sich nicht gut an. Hätte doch nicht das halbgebrütete Ei probieren sollen.
Erstmal auf Klo.
Betrete in Boxershorts den Flur, schleiche vorbei an einer schlafenden Minderjährigen, richtung Klo.
Sie wacht auf. Ich schleiche schneller.
Klo inuitiv und auf Anhieb gefunden.
Das flaue Gefühl in meinem Magen lädt sich aus.
Ich fühle mich gut und genieße die Ruhe.
Weicht der Erkenntnis das kein Klopapier vorhanden ist.
Muss stattdessen eklige vietnamesische Brause benutzen. Diese ist bereits flüssig braun.
Duschen. Sauberkeit und Wohlempfinden machen sich breit.
Weichen der Erkenntnis das nirgendwo ein Handtuch ist.
Probiere mich zu schütteln.
Immer noch nass. Wie machen das die Hunde?
Schleiche halbnackt und klitschnass zurück ins Zimmer, vorbei an der Minderjährigen.
Probiere mich mit Decke abzutrocknen, nun ist Decke auch nass.
Mummel mich wieder ein und werde langsam wärmer.
Plötzlich, Anruf von Marco.
"Junge, wo bist du? "
Dumme Frage, dasselbe hatte ich ihn zuvor gefragt.
Vielleicht wüsste Chieu wo ich bin.
Gab Marco die Idee durch.
Wenige Minuten später stürmt Chieu durch meine Tür.
Mach mich schnell fertig. Und auf gehts, zu dritt auf einem Motorbike, zurück zu Chieu´s Haus.
Wer war der Dritte? Auch egal.
Um circa 7 Uhr morgens bin ich also wieder in Chieus Haus, die Party kann losgehen.
| Gemeinschaftlich werden Berge von Fleisch und Gemüse präpariert. |
Das Essen schmeckt. Kartoffeln, Reis, Gemüse, und diverses Fleisch und diverser Fisch.
Alles andere ignorier ich heute.
Nicht schon wieder, den Fehler begeh ich nicht nochmal.
"Baby Duck. Very goooood."
Lege das Ei dezent aus meiner Schale und fülle sie hastig randvoll mit Reis.
Der Parkdirektor sieht enttäuscht aus.
Lädt mich zum Trinken ein.
Sehe mich genötigt einzuwilligen, leere mein Pintchen, Gänsehaut. Händedruck.
Der Direktor hat nur genippt. Als Direktor hat man das Recht dazu.
Der Bruder von Bräutigam steht am Tisch, Flasche in der einen, Pintchen in der anderen.
Alle Prosten sich zu. 100 PERCENT. Händedruck. Glückliche Gesischter.
Der Onkel der Braut steht am Tisch, Flasche in der einen, Pintchen in der anderen
....
Sänger der Liveband steht am Tisch....
....
....
Wie können die nur so viel von diesem Zeug trinken?
Der Geschmack ist einfach nur schlimm.
Auf dem Land wird das wohl seit der Geburt eingetrichtert. harhar.
Müdigkeit. Ich leere meine Schüssel Reis und lege mich auf das nächstbeste Bett.
Dort liegen bereits zwei. Ein vierter folgte sogleich.
Nach erstaunlich erholsamen 30 Minuten begann die Hochzeitszeremonie. Während ich mich mit den anderen Gästen (inzwischen um die 200) in dem Zelt einfand, wurde bereits wilde Musik gespielt, die noch wildere Tänzer anlockte...
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Hochzeit selbst eher unspektakulär war, wenn auch an einigen Stellen ziemlich bizarr. Die vorausgehende Party war aber um so besser. Es wurde viel getrunken, wodurch sich bei der Zeremonie eine generelle Gleichgültigkeit einstellte und die vielen scheinbar betont langweiligen Reden, so wie die viele Fahrerei, gut ausgehalten wurden.
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